Im Jahre 2003 erschien der vom ehemaligen Bauhaus-Studenten Florian Gwinner zusammengestellte Sampler “Die City lässt mich nicht mehr los”. Dieses Stück Vinyl wirkte wie aus der Zeit gefallen und war innerhalb weniger Tage vergriffen. Aus heutiger Sicht wirkt das gute Stück angenehm melancholisch und angestaubt und schien eher den Endpunkt einer Entwicklung darzustellen, wofür das Ende der Schallplatte symbolisch ist. In Wirklichkeit wissen wir jetzt, dass diese kleine Sammlung nur ein Anfang war. Fünf Jahre später hat sich die Musikszene in Weimar nicht nur schlagartig vermehrt, sondern darüber hinaus extrem professionalisiert.

Viele der Bands und Künstler haben bereits Studioaufnahmen oder Touren hinter sich, Videos produziert und erste Kontakte mit Labels geknüpft. Inzwischen sind Debüt- und Folgealben erschienen, die durch ihre überraschend gute Soundqualität bestechen. Die Bandbreite der Stile ist groß.

Mittlerweile haben sich sogar die Lager der Freizeit-Musiker und die der so genannten professionellen Musiker der Franz-Liszt-Hochschule für Musik verbündet und gehen gemeinsame Wege. Die Scheu voreinander wurde abgelegt. Das war vor wenigen Jahren noch nicht selbstverständlich. Die Einsicht, dass auch oder gerade für Menschen, die sich täglich professionell mit Musik beschäftigen, ein persönlicher und ungeübter Zugang zur Musik etwas Befreiendes hat, kam für alle etwas unerwartet. Doch das Wichtigste ist geblieben: der unbändige Idealismus, Musik zu machen und das Gefühl des Nicht-anders-Könnens, ohne die ein Arbeiten über Jahre hinweg in einem Bereich, in dem es kein oder wenig Geld zu verdienen gibt nicht denkbar wäre.

In diesem Zusammenhang stellt Weimar eine absolute Besonderheit dar. 60 000 Menschen leben in dieser kleinen Stadt, die sich ausschließlich über ihr kulturelles Erbe definiert. Doch was oft vergessen wird: in der verhältnismäßig kleinen Universität machen die künstlerischen Studiengänge wie Visuelle Kommunikation, Mediengestaltung, Freie Kunst usw. beinahe die Hälfte des Angebotes aus. Dazu kommt das große Angebot von Jazzmusikern.

Viele kreative Menschen leben auf engsten Raum zusammen, verbringen Zeit miteinander und unterliegen einem ständigem Produktionsprozess. In kleinen Kneipen oder auf Wohnzimmerparties werden Songs zum ersten Mal vor Publikum gespielt, Bands gegründet, Konzerte geplant, Freundschaften geschlossen, Visionen gesponnen …

So hat sich gerade in den letzten fünf Jahren ein Geflecht von verschiedensten
Musikstilen entwickelt, alle Musikgenres streifend. Ob Jazz, Elektronik, Klassik, neue Musik, Folk, Techno, Deutschrock, Singer/Songwriter, HipHop… alles ist vertreten.

Dies ist ein absolut ungewöhnliches Phänomen, das es zu beleuchten und vorzustellen gilt. Weimar braucht sich vor Musikstädten wie Hamburg oder Berlin nicht mehr zu verstecken. Das ist auch auswärtigen Veranstaltern nicht verborgen geblieben, die mittlerweile Konzertreihen mit Weimarer Bands unter dem Label „Weimarer Schule“ nach dem Hamburger Vorbild der 90er Jahre veranstalten. Das muss nicht jedem gefallen, zeigt aber, dass hier etwas entstanden ist, das kurz davor steht, in den Fokus der Öffentlichkeit zu gelangen.

Die Konzertreihe „Weltraum Weimar“ soll nun einen Überblick über einen Teil der Weimar Musiklandschaft geben. In vier Teilen werden jeweils 2 Bands/Künstler ihr derzeitiges Schaffen im MonAmi präsentieren.
Begleitet wird diese Reihe durch wöchentliche Radiofeatures auf Radio Lotte Weimar. In Planung sind ebenfalls ein Vinylsampler und gemeinsame Touren durch Deutschland.